Laura Thiemann // Sabine Straßburger

Mehr Objekt als Bildcharakter haben die Shaped Portraits Sabine Straßburgers die sich klein und kompakt und gleichzeitig raumgreifend präsentieren. Leinwände von 50 x 40 cm wurden mitsamt ihrem Keilrahmen zersägt und auf das Format 29 x 40 cm zusammengefaltet und somit ihrer Flächigkeit beraubt. Durch das Falten schichten sich die Leinwände leicht verschoben voreinander. Der Halt gebende Rahmen wird im wörtlichen Sinne aufgebrochen. Das Aufbrechen und Falten der Bildfläche wirkt als Zerstörung hat aber gleichzeitig befreiende Funktion und gibt dem Werk erst den Inhalt.

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shaped portrait 1 2009 29x40cm aus 50x40cm
Öl, Leinwand auf Keilrahmen, gefaltet
shaped portrait 2 2009 29x40cm aus 50x40cm
Öl, Leinwand auf Keilrahmen, gefaltet

In ihren Arbeiten thematisiert Straßburger Konventionen und Normen zur Bildfläche. Sie arbeitet mit traditionellen Bildformaten, wie sie in Frankreich seit dem 19. Jahrhundert bis heute für Themen wie "Porträt", "Landschaft" oder "Marine" Verwendung finden. Straßburger setzt sie als inneres Rechteck in ihren Arbeiten ein, wie ein Bild im Bild. Auch in ihren Shaped Portraits finden sie sich wieder, sind aber durch den Faltvorgang großenteils verdeckt. Der Betrachter führt in Gedanken eine Ent-Faltung durch, doch solchen Versuchen widersetzt sich das Werk in seinem neuen Dasein als Objekt ohne konventionelle Rechteckigkeit. Es ist vollständig, auch wenn Teile durch das Verdecken fehlen. Die konventionelle Normierung bildet den Ausgangspunkt der Zerlegung.

Die beiden Shaped Portraits sind Variationen eines Themas, wirken jedoch ganz unterschiedlich. Eher geschlossen erscheint die dunkle Variante, die durch ihre matte Farbigkeit in ihrer Materialität sehr präsent ist. Trotzdem nimmt das Werk sich zurück, da sich das obere Stück der Leinwand vor das untere Stuck geschoben hat und es zu verschIießen scheint. In umgekehrter Faltrichtung öffnet sich die helle Variante auf den Umraum und wirkt auch durch ihre alt- weiße, glänzende Farbgebung leichter. Bei beiden Werken öffnet sich an der Faltkante eine aufgeschlitzte Stelle auf einen schmalen Streifen Rot, offenbar eine Untermalung. Dadurch erscheint das Bild zusätzlich entmystifiziert. Prozesse des Teilens und Zusammensetzens sind auch bei früheren Arbeiten Thema Verin präsentiert dem Betrachter zwei annähernd gleich große Rechtecke. Das rechte ist quadratisch, 70 x 70cm groß, dünn mit Farbe lasiert, und lässt den groben Leinwandstoff sichtbar . An drei Seiten wird es von einer schwarzen Linie eingefasst, die parallel zum Rand verläuft und ein Rechteck umschließt, das formal dem linken Teil des Werks entspricht. Links schließt ein etwas kleineres Rechteck an, das mit 60 x 61 cm beinahe quadratisch ist und eine hellgraue deckende, matte und rissige Farbigkeit zeigt. Eine schwarze vertikale Linie setzt links am Bildrand eine zusätzliche Begrenzung. Der Betrachter wird herausgefordert, die Quadrate ständig zu vergleichen und in ihren Gegensätzen von materieller Körperhaftigkeit auf der linken Seite und eher flüchtiger Offenheit auf der rechten Seite zu erfassen. Vergleichsleistung wird auch beim Betrachten von equal 8 gefordert. Auch diese Arbeit ist zweiteilig, besteht aus einem grauen Quadrat und einer langen schmalen, weißen Leinwand, die am unteren Ende ein weiteres graues Quadrat wie eine Wiederholung im Kleinformat beinhaltet. Auf Augenhohe befinden sich kurze, dunkelrote Striche, die wie optische Gelenke fungieren und die Teile zueinander in B. Geführt von der länglichen weißen Leinwand vollzieht der Betrachter Bewegungen der Verlagerung und Verkleinerung.

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equal 8 2006 170x86cm, 2-tlg Öl / Leinwand

Die Bilder von Sabine Straßburger zeigen nicht etwas, sondern erzeugen beim Betrachter eine Tätigkeit, einen inneren Umgang mit dem Bild als Gesamtheit.

Laura Thiemann

in Katalog:
AUFBRUCH, Malerei und realer Raum, 2011